Abteilung und Poliklinik für Sportorthopädie

Sehnen- und Muskelverletzungen

Mit zunehmender sportlicher Betätigung aller Altersstufen treten Weichteilverletzungen des Bewegungsapparates, hier speziell Sehnen- und Muskelverletzungen, vermehrt ins Blickfeld sportorthopädischer Aufmerksamkeit.

Anatomisch setzen die Muskeln des menschlichen Körpers über einen sehnigen Anteil an den Knochen an.

Verletzungen dieses Muskel-Sehnenkomplexes treten häufig im Rahmen von Fehl- bzw. Überbelastungen auf.

Hierbei wird unterschieden zwischen Verletzungen der Muskulatur im Sinne von kleinen Muskelfaserrissen, den etwas größeren Muskelbündelrissen und komplexen Muskelrissen.

Während Muskelfaserrisse und kleinere Muskelbündelrisse konservativ therapiert werden können, wird, speziell bei sportlich aktiven Patienten, bei ausgedehnter Schädigung eine operative Rekonstruktion empfohlen.

Kommt es aufgrund eines Traumas (z.B. im Rahmen eines Sturzes) zu einer Überbelastung einer Muskelgruppe bzw. eines speziellen Muskels, treten Verletzungen vor allem im Bereich der Sehnen auf. Oftmals sind dabei die betroffenen Sehnen bereits degenerativ vorgeschädigt.

Im Bereich der oberen Extremität (Arm) sind die häufigsten sportorthopädischen Sehnenverletzungen Schädigungen der Sehnen des Musculus biceps brachii und des Musculus triceps brachii.

  • Risse der schulternahen langen Bizepssehne werden aufgrund des nur marginalen Kraftverlustes konservativ therapiert. Tritt eine Ruptur der kurzen Bizepssehne auf, sollte, um die Beugefähigkeit und Außenrotation (Supination) des Armes wiederherzustellen, eine operative Refixation erfolgen.
  • Bei Sehnenverletzungen im unteren Anteil des M. biceps brachii sowie Läsionen des M. triceps brachii, erfolgt in der Regel eine operative Stabilisierung mittels Fadenankerrefixation.

Um eine postoperative Gelenksteife zu vermeiden, werden bereits frühzeitig physiotherapeutische Übungsmaßnahmen durchgeführt.

Im Bereich der unteren Extremität (Bein) spielen vor allem Verletzungen der vorderen und hinteren Oberschenkelmuskulatur sowie Schädigungen der Achillessehne sportorthopädisch eine entscheidende Rolle.

  • Die hintere Oberschenkelmuskulatur wird typischerweise bei Ausrutschbewegungen auf glattem Untergrund mit Kombinationsbewegungen von Hüftbeugung und Kniestreckung überbelastet, wobei es häufig zu beckennahen Sehnenrupturen der sog. „Hamstring-Muskulatur“ kommt, einem aus drei Muskeln (Mm. semimembranosus, biceps femoris und semitendinosus) bestehenden Verband. Hieraus resultiert vor allem eine verminderte Beugefähigkeit des Kniegelenkes und häufig auch Schmerzen beim Sitzen.
  • Bei Verletzungen der vorderen Oberschenkelmuskulatur im Rahmen von Streckbewegungen des Kniegelenkes gegen Widerstand kann es sowohl zu becken- also auch zu kniegelenksnahen Verletzungen kommen. Hierbei spielen vor allem Rupturen der Quadricepssehne, der kniegelenksnahen Insertion des M. rectus femoris und der Mm. vastus medialis, intermedius et lateralis eine wichtige Rolle und führen zu einer verminderten bzw. zu Verlust der Streckfähigkeit des Kniegelenkes.

Um die muskuläre Funktion vollständig wiederherzustellen, kommen neben minimal invasiven Sehnennahttechniken vor allem Ankerrefixationstechniken zum Einsatz.

  • Verletzungen der Achillessehne, der Verbindung der hinteren Unterschenkelmuskulatur mit dem Rückfuß, treten in der Regel durch ein traumatisches Ereignis auf, wobei häufig bereits eine degenerative Vorschädigung vorliegt. Die operative Therapie besteht nach Entfernung des degenerativen Gewebes in einer Rekonstruktion mittels Rahmennaht (bei ansatzferner Läsion) oder in einer knöchernen Ankerrefixation

In Abhängigkeit von Patientenalter, Art und Lokalisation der Läsion, sportlicher Aktivität sowie allgemeinem Gesundheitszustand der Patienten wird individuell eine konservative oder operative Therapie empfohlen.